Seifenblasen – oder wie Hans sein Glück fand

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Haben sie schon mal einen schlechten Tausch gemacht? Sind sie schon mal den falschen Träumen hinterher gerannt? Ich bin mir sicher. Keiner kann dem entkommen. Oder sind sie ein Sicherheitsmensch, der bei jeder Entscheidung erst mal eine Marktanalyse macht? Auch gut, ich bin mir sicher, sie sind stolz darauf, noch nie etwas falsch gemacht zu haben. Sie gehören also zu den Leuten, die vor dem Betreten eines Busses zuerst die Beförderungsbedingungen durchlesen und zur Eröffnung eines Sparkontos ihren Anwalt mitbringen. Wie Recht sie haben, nichts geht über Sicherheit, denn wer will schon böse Überraschungen erleben. Ich habe es genauso gemacht, als ich mich auf meine erste Lehrstelle beworben habe. Ich bin ins Jobcenter gegangen, das damals noch Arbeitsamt hieß und habe eine dieser hochqualifizierten Berufsberaterin aufgesucht, die mir, unter Beachtung meiner Schulzeugnisse und mit weiser Voraussicht auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes und die Bedürfnisse der Wirtschaft, riet, den Beruf der Schriftsetzerin zu ergreifen. Ich würde bereits als Geselle an die 3000.- DM netto verdienen und gelesen würde ja wohl immer. Später könne ich mich auf jede Art weiterbilden und ein eigenes Imperium aufbauen. Sozusagen krisensicher. Ich sah meine Zukunft schon vor Augen. Nach drei Jahren Ausbildung würde ich mir innerhalb kürzester Zeit ein kleines Vermögen zusammensparen, mit dem ich die Anzahlung auf die vier eigenen Wände leisten könnte. Heiraten, Kinder kriegen, Urlaub auf der ganzen Welt machen und mit 40 Jahren in den Ruhestand gehen, weil die monatlichen Besprechungen mit dem Vorstand der eigenen Aktiengesellschaft ausreichend sind, um das Imperium zu leiten.

Mein Traum musste schon recht früh einen kleinen Dämpfer hinnehmen. Nicht, dass ich mit den Ausbildungsinhalten überfordert gewesen wäre, nein. Es wurde auch weiterhin gelesen. Die Bedrohung schwappte über den Atlantik zu uns und nannte sich Computer. Als man in Deutschland noch gar nicht wusste, was ein Tsunami ist, da hatte er mich schon in Form des ersten Macintosh erwischt. Ich wurde vor einen Bildschirm gesetzt, der so groß war, wie heute das Display meines Navigationsgerätes ist und fortan durfte ich einen neuen Beruf lernen. Ich war kurz davor meine Lehrjahre zu beenden, da entließ der Chef meinen Ausbilder und stellte an seiner Stelle drei Studenten ein, die zusammen weniger verdienten, als der alte ehrwürdige Meister. Ich schätze diesen Trend als nicht besonders hoffnungserweckend ein und sollte später Recht bekommen. Als ich nach Abschluss meiner Ausbildung übernommen wurde, da waren aus den im Arbeitsamt erträumten 3000.- DM sozusagen über Nacht 1200.- DM geworden. Was tun? Mir blieb nichts anderes übrig, als meinen Traum vom Eigenheim in weite Ferne zu rücken, die Kinder mussten auch noch etwas warten, ebenso mein eigenes Imperium. Einziger Trost waren die positiven Nachrichten in der Presse, denen man entnehmen konnte, dass die Realeinkommen der Deutschen im letzten Jahr wieder um 3,5% gestiegen waren. Ja, so gesehen hatte Ulrich Wickert ja Recht, denn im letzten Lehrjahr verdiente ich 835.- DM pro Monat und nun sollten es auf einen Schlag 1200.- DM sein. Ich hatte also sogar einen überdurchschnittlichen Kaufkraftzugewinn zu verzeichnen. Man muss die Dinge nur aus dem richtigen Blickwinkel betrachten und schon gehört man zu den Gewinnern. Dann ärgert man sich auch nicht, wenn nach sieben Jahren die Früchte der Arbeit in den Brunnen fallen und man mit leeren Händen nach Hause geht.

Und die Moral von der Geschicht? Wer denkt, dass die Mitarbeiter des Jobcenters weiter als bis zur nächsten Weihnachtsfeier denken können, der sollte sich nicht ärgern, wenn sein Arbeitsplatz in Kürze nach China ausgelagert wird.

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