Antizyklisches Denken

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Trends kommen und Trends gehen. In den 80er Jahren hieß es zum Beispiel: „IKEA, das Möbelhaus, in dem die Kinder so heißen, wie die Betten, in denen sie gezeugt wurden“

IKEA ist zwar nicht out, aber die Kinder heißen jetzt nicht mehr Björn, Palm oder Hemnes, sondern Paul, Jonas und Felix, ebenso wie ihre Großväter oder eher Urgroßväter. Retro nennt sich dieser Trend, wobei nicht sehr darauf geachtet wird, aus welcher Stilepoche er kommt, sondern nur, dass er vor der eigenen Elterngeneration anzusiedeln ist. Die Nutzer von Nierentischen und Mustertapeten haben keinen blassen Schimmer von den 50er, 60er oder 70er Jahren, sie diskutieren im Internet darüber, warum Männer auch einen Bauchnabel haben, wo sie doch gar keine Kinder bekommen können und sie denken Waterloo, Watergate und Waterkant waren alles coole Open-Air-Festivals. „Wir haben damals auch im Regen getanzt, nur dass unsere Klamotten nicht schmutzig geworden sind, weil wir gar keine anhatten“, ja ja, unsere Omas, die hatten was drauf.

Wer mit dem Trend geht, der kann sich zweier Dinge sicher sein. Er ist nie alleine und er wird nie modern sein, denn jeder Trend hat sich in dem Augenblick, wo er als solcher wahrgenommen wird auch schon wieder überholt. Die Devise heißt „antizyklisches Denken“, dem Trend entgegen wirken, neue Dinge tun, entgegensätzliche Dinge tun. Wenn alle Leute nach dem 5-Liter-Auto rufen, dann kaufe ich mir für den Hausgebrauch einen Panzer mit einem Verbrauch von 5 Liter pro 1 Kilometer statt pro 100 Kilometer. Wenn alle Welt Bio kauft, dann muss dem mit einem schönen Hormonsteak entgegengewirkt werden und wenn jeder gesund lebt, dann fange ich eben wieder mit dem Rauchen an.

Besonders dem Trend der Dummheit möchte ich antizyklisch begegnen, denn im Land der Dichter und Denker ist es eine Schande, das die Kinder heute von A wie Absolution bis Z wie Zollverein keine Ahnung mehr haben, was sich in den Generationen vor ihnen abgespielt hat. Deutsche Geschichte fängt für sie mit Bushido an und hört mit Tokio Hotel wieder auf. Den Begriff „humanistische Bildung“ halten sie für einen Begriff aus dem Gartenbau oder der Geologie. In diesem Sinne wünsche ich eine schöne Vorweihnachtszeit, mein Weihnachtsbaum ist antizyklisch schon immer Sommer verdorrt und ich werde am 24.12. an sie denken, wenn ich auf Madeira in der Sonne sitze.

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