Großstadtneurotiker oder die Stadt der Toten

Wo Menschen leben, das sind Geräusche. Autoverkehr, Fluglärm, Baustellen und der Lärm von Fabriken sind unvermeidlich, sie bilden die Grundlage für unseren Wohlstand, für Mobilität, ja schlicht für die Freiheit des Einzelnen, weshalb sie geduldet werden müssen.

Nicht geduldet werden hingegen muss Kinderlärm. Der ist vermeidbar und störend, schließlich können Kinder sich auch leise vor den Fernseher setzen oder ihre Hausaufgaben machen, anstatt rumzutoben. Oder sie müssen in ein Gewerbegebiet umziehen, wo sie niemanden stören.

So jedenfalls urteilten dieses Jahr bereits mehrfach Berliner Gerichte. Sie untersagten der 16-jährigen Gewinnerin von „Jugend Musiziert“ das sonntägliche Klavierspiel, wir sprechen hier von einer Stunde Konzert, weil Nachbarn wegen Ruhestörung klagten. Schon der Name des Gesetzes ist Programm. Ruhestörung durch Kinderlärm oder Klavierspiel fällt unter das Immissionsschutzgesetzt. Es wäre zu prüfen, ob der Einbau von Lärmfiltern bei Kindern mit EU-Geldern gefördert wird.

Dass Kinderlärm stören kann, ist mir nicht unbekannt. Besonders Großstadtkinder sind laut, weil sie sich gegen den ständigen Lärmpegel durchsetzen müssen. Vergleicht man den Lärmpegel eines Freibads einer kleinen Ortschaft mit dem einer Großstadt, so liegen Welten dazwischen. Aber das ist nun mal so und wer in einer Großstadt lebt, der kann für sich nicht in Anspruch nehmen, in seiner Wohnung ein Paradies der Stille und Entspannung zu haben. Kindergärten aus Wohngebieten zu verbannen, was ein Berliner Gericht getan hat, weil spielende Kinder Lärm machen, ist pervers in jeder Hinsicht. Es ist eine Benachteiligung der Eltern, die ohnehin schon benachteiligt sind, weil sie die Aufgaben von Beruf und Elternschaft unter einen Hut bringen müssen. Und welchen Eindruck es auf die Kinder macht, zu erfahren, dass sie vom Arm des Gesetzes aus ihrer vertrauten Nachbarschaft entfernt werden, ist ein Skandal erster Güte. Vielleicht würde es Berlin gut tun, seinen schwulen Party-Bürgermeister abzuwählen und sich darauf zu konzentrieren, dass die Zukunft unserer Gesellschaft nicht auf dem Presseball sondern im Kreissaal geboren wird.

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1 Response so far »

  1. 1

    Stadt der Toten? Ein echt unheimlicher Titel. Ich lebe neben einer Schule.Die Kinder stoeren mich nicht. Aber die Auto-Alarmsignale die jede 5 Minuten wegen einem Ball oder einem Stoss oder so passieren die nerven unendlich. Ich bin also einverstanden mit Kindern die sich rumtoben solange es ein Spielplatz dafuer gibt.


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