Die sich selbst auflösende Information

Ein Aufschrei geht durch die Medien, seit dem die Heilige Andrea in ihrer Reinkarnation als Andrea Ypsilanti von bösen Menschen hereingelegt wurde. Was lese ich da für Sätze? Ihr Grundecht auf informationelle Selbstbestimmung sei verletzt worden. Ach, gibt es das? Habe ich also ein Recht darauf, dass man mir nur die Wahrheit erzählt? Dass man mit mir keine Spässe macht? Oder will hier die Medienwelt suggerieren, dass sie immer die Wahrheit schreibt und dass es deshalb so empörend ist, wenn sich ein niedersächsicher Radiosender einen Scherz erlaubt, über den die Republik schon vor Jahrzehnten gelacht hat, als Ottfried Fischer im Namen von FJS bei Kurt Waldheim anrief und ein paar braune Gedanken austauschte?

Das Informationszeitalter wird auch gleichzeitig zum Desinformationszeitalter. Je mehr Informationen auf uns einströmen, umso weniger haben wir als Leser noch die Chance deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, wir sind darauf angewiesen dem Autor zu vertrauen. In dem Augenblick, wo aber das Vertrauen verloren ist, hat dessen Information für uns keinen Wert mehr, es sei denn, es geht um Unterhaltung. Eigentlich weiß heute jeder Zeitungsleser, dass Nachrichten zwar nur selten erfunden, dafür aber um so regelmäßiger in ihrem Inhalt manipuliert werden. Trotzdem ist der Zeitpunkt noch nicht erreicht, wo sich Leser und Zuschauer von den Medien abwenden, weil sie das Vertrauen verloren haben. Aber wie lange wird das noch dauern? Wann werden die Menschen erkennen, dass die Nachrichten ihnen in mundgerechten Stücken serviert werden, um die Meinung des Lesers entsprechend den Wertevorstellungen des Verlages oder des Werbekunden zu beeinflussen?

Für die Meinungsfreiheit sind Diktaturen eine Gefahr, aber die viel größere Gefahr geht von der freien Marktwirtschaft aus, wo nur noch Nachrichten abgedruckt werden, die sich auch Refinanzieren. Natürlich gibt es die jetzt die Möglichkeit des Internets, wo jeder schreiben kann, was er will, doch ist dies nur scheinbar ein Vorteil, denn Meinungen sind nur dann etwas wert, wenn sie auch wahrgenommen werden. Ist die Menge für den Leser nicht mehr zu bewältigen und der Wahrheitsgehalt nicht mehr überprüfbar, dann muss selektiert werden und das Prinzip „Vertrauen“ tritt wieder ein.

So ist also ein gefakter Anruf ein Angriff auf die Medien, die vom Vertrauen leben. Er ist als Spass gemeint, doch wird mit ihm gleichzeitig der Niedergang des Informationszeitalters eingeläutet. Es gibt Länder, in denen die Bevölkerung schon deutlicher als in Deutschland erkannt hat, dass sie ständigen Manipulationsversuchen ausgesetzt sind und wo man schon lange dazu übergegangen ist, verlössliche Nachrichten aus anderen Quellen einzuholen. Die Welt der Medien wird nach der technischen Revolution sehr bald eine weitere Revolution erleben. Durch die steigende Zahl an Falschinformationen wird sie zum eigenen Überleben gezwungen sein, sich neu zu erfinden und neue Wege der Wahrheitsfindung einschlagen müssen. Sollte sie das nicht tun, werden sich die Informationen auf Grund ihrer Menge selber auflösen und sich selbst ad absurdum führen. Wenn ich als Leser nicht mehr zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden kann, dann werde ich einfach nicht mehr zuhören und mir mein eigenes Bild von der Wahrheit machen.

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7 Antworten so far »

  1. 1

    Die Frage ist aber die Menschen wirklich Information suchen. Fuer mich scheint das oft so, dass sie sich gerne beluegen lassen. Illusionen sind sehr angenehm.

  2. 2

    RobertM said,

    Das haengt aber auch von jeder Publikation ab. Es gibt serioese Zeitungen und Zeitungen die eigentlich keine sind. Im Fernsehen ist auch das meiste schlecht, aber ab und zu gibt es noch was gutes.

  3. 3

    FabiF said,

    Ich glaube man kann keine Wahrheit von den Medien erwarten, weil sie noch nie Wahrheit gebracht haben. Medien waren, sind und werden immer die Realitaet verzerren.

  4. 4

    MissSilke said,

    Die Medien sind zum Manipulieren da und das weiss heimlich jeder. Aber wenn man nicht weiss was in der Welt lauft wird man schnell ausgeschlossen. Eine unangenehme Situation fuer uns alle.

  5. 5

    Das Wort des Tages ist Ueberflutung. Ja jeder kann seine Meinung im Internet posten, und ein Blog machen, und Bilder hochladen, und jede Kleinigkeit seines Lebens genau beschreiben. Und? Wie kann ich diese Flutwellen durchqueren um an einer Information zu gelangen die mir eigentlich wert ist?

  6. 6

    Ich sehe mir Nachrichten und Fernsehen allgemein kaum noch an. Ich erstelle meine eigene Meinung ueber dem Internet der sich nicht so leicht kontrollieren laesst.

  7. 7

    Bianca Witte said,

    Die Frage ist nur wen du eigentlich waehlst. Welchen Gift du dir auswaehlst, um das mal so zynisch darzustellen. Im Grunde genommen weisst du doch dass alle dich nur auf ihrer Seite ziehen wollen um dich von ihrer Wahrheit zu ueberzeugen. Es haengt nur davon ab wer geschickter ist um dich zu ueberzeugen seine Denkweise anzunehmen.


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